Berliner Testament

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Berliner Testament 2016-11-22T15:43:09+00:00

Das Ehegattentestament und Berliner Testament

Oft gehen Eheleute davon aus, dass nach dem Tod des ersten Ehegatten der Überlebende automatisch Erbe wird. Dies ist aber nicht der Fall. Wenn kein Testament besteht, gilt das gesetzliche Erbrecht. Demnach erbt der Ehegatte neben Kindern nur zu 50%. Aus diesem Grund wird ein Testament von Ehegatten häufig in Form eines Berliner Testamentes errichtet. Das bedeutet: Eheleute errichten ein gemeinsames Testament und setzen sich zunächst gegenseitig als Erben ein, während das Kind oder die Kinder nach dem Tod beider Eltern erben

 

Fall: Eheleute Müller haben zwei Kinder. Sie sind gemeinsam Eigentümer eines Hauses. Herr Müller verstirbt bei einem Verkehrsunfall ohne ein Testament zu hinterlassen. Durch die gesetzliche Erbfolge erbt Frau Müller ein halb und beide Kinder je ein viertel. Die Kinder werden entsprechend in das Grundbuch als Miteigentümer des Hauses eingetragen. Frau Müller kann danach ohne Zustimmung der Kinder das Haus nicht vermieten, verkaufen oder eine Hypothek an dem Haus als Sicherheit für ein Darlehen eintragen lassen. Wenn die Eheleute Müller ein Berliner Testament erstellt hätten, wäre Frau Müller Alleineigentümerin des Hauses geworden und sie hätte alleine vermieten, verkaufen oder eine Hypothek eintragen lassen können.

 

Warum sollten Ehegatten ein gemeinsames Testament errichten?

Bei zwei getrennten Testamenten kann jeder Ehegatte sein Testament heimlich ändern oder vernichten. Bei einem gemeinsamen Testament ist das nicht möglich. Jeder Ehegatte kann es nur durch eine notariell beurkundete Erklärung widerrufen und dieser Widerruf muss dem anderen Ehegatten formell zugestellt werden, so dass dieser von dem Widerruf erfahren muss.

 

Allerdings sollte folgendes beachtet werden: Wenn der erste Ehegatte verstorben ist, kann der länger Lebende das gemeinschaftliche Testament nur ändern, sofern dies ausdrücklich in dem Testament geregelt wurde.

 

Fall:

Herr und Frau Müller haben sich gegenseitig zu Erben eingesetzt und nach dem länger Lebenden sollen die beiden Kinder erben. Herr Müller verstirbt. Frau Müller wird pflegebedürftig und nur eines der Kinder kümmert sich um sie. Zu dem anderen Kind besteht schon länger kein Kontakt mehr. Daraufhin möchte sie das Berliner Testament ändern. Sie erfährt vom Notar, dass dies nicht möglich ist, da in dem Berliner Testament nicht geregelt wurde, dass der länger lebenden Ehegatte das Testament ändern kann.

 

Nachteile des Berliner Testamentes: Pflichtteil der Kinder

Die gegenseitige Erbeinsetzung der Eltern führt zunächst zu einer Enterbung der Kinder. Dies führt zu einem Pflichtteilsanspruch der Kinder. Wenn dieser eingefordert wird, muss der länger lebende Ehegatte den Pflichtteil in Geld an die Kinder auszahlen. Dies kann bei vorhandenen Immobilien dazu führen, dass diese verkauft werden muss, um den Pflichtteil auszuzahlen. Durch eine sog. Pflichtteilsstrafklausel im Berliner Testament kann man versuchen, Kinder davon abzuhalten, den Pflichtteil einzufordern. Damit wird geregelt, dass die Kinder, die den Pflichtteil nach dem zuerst versterbenden Elternteil fordern, nach dem länger lebenden Elternteil nicht mehr Erbe werden, sondern enterbt werden. Kinder können auf den Pflichtteil auch verzichten. Dies ist allerdings nur wirksam in notarieller Form.

 

Weiterer Nachteil: Bei großen Vermögen ist das Berliner Testament steuerlich ungünstig. Es wird doppelt vererbt. Zuerst erbt der Ehegatte, später die Kinder. Bei großen Vermögen kann dann zweimal Erbschaftssteuer anfallen.

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